Das teure Vergnügen mit dem Mindestlohn

Nachdem die Politik es nun endlich geschafft hat, einen Mindestlohn mehr oder weniger flächendeckend in ganz Deutschland einzuführen, der sich auf die allermeisten Berufsgruppen erstreckt, melden immer mehr Unternehmen und Berufsgruppen, dass ihre Dienste bald zu einem erheblich höheren Preis in Anspruch genommen werden müssen.

Dazu zählt unter anderem der Deutsche Taxiverband: dieser drängt wegen der Einführung des Mindestlohns zu Beginn des nächsten Jahres auf eine rasante Erhöhung der Tarife für Fahrten mit dem Taxi. „Die Tarife müssen schnell nach oben angepasst werden, sonst stehen von den 200.000 Arbeitsplätzen im Taxigewerbe rund 50.000 auf der Kippe Anfangszeichen zu, so der Präsident des Taxiverbandes Herr Mueller. An dieser Stelle interessant ist, dass Taxifahrer in Deutschland größtenteils nicht nach einem Stundenlohn bezahlt werden, sondern es eine Regelung zur Beteiligung am Umsatz des Taxiunternehmens gibt.

Wir alle müssen uns also darauf einstellen, dass sollten wir Taxi fahren wollen, wir dafür in Zukunft etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Betroffen sind insbesondere die Menschen, die in Großstädten leben, in denen häufig lange Strecken überwunden werden müssen, aber ein eigenes Fahrzeug nicht unbedingt rechnerisch sinnvoll ist. Zum Beispiel könnte einen Anwalt für Familienrecht in Aschaffenburg auf einen eigenen PKW komplett verzichten, wenn das Netz der Taxifahrer in Aschaffenburg entsprechend stark und zuverlässig ausgebaut ist.

Doch nicht nur Anwälte profitieren von einer guten Verkehrsanbindung durch die Verkehrsunternehmen, insbesondere Menschen, die nur selten ein Fahrzeug in Anspruch nehmen müssen, wie zum Beispiel Studenten die viel mit dem Fahrrad unterwegs sind, sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, kein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Die Autoindustrie betrachtet mit Sorge, dass ein PKW für junge Menschen nicht mehr als Prestigeobjekt dient, und immer weniger junge Erwachsene sich dazu entscheiden, ein Fahrzeug zu kaufen. Früher war dies anders: ein eigenes Auto galt als Statussymbol und war nahezu selbstverständlich für alle jungen Leute, die die Schwelle zum Erwachsenwerden überschreiten und alt genug waren, um ein Führerschein zu machen.

Bezüglich der Tariferhöhung für Taxifahrer rechnet Herr Mueller dennoch mit Entlassungen unter den mehr als 200.000 Taxifahrern, da seiner Einschätzung nach die Branche nicht in der Lage wäre, die Kosten zu erwirtschaften, die durch den flächendeckenden Mindestlohn in der Branche entstehen.

Ich persönlich bin glücklicherweise nicht auf einen Taxiunternehmen angewiesen, da ich das zweifelhafte Glück habe, noch immer Zugriff auf einen althergebrachten Pkw zu haben, den ich bei Belieben fahren kann. Selbst die immer stärker im Angebot stehenden CarSharing Angebote, insbesondere diejenigen, die mit Ökostrom und anderen umweltschonenden Argumente herkommen, konnten mich noch nicht davon überzeugen auf die persönliche Mobilität zu verzichten, die ein eigenes Fahrzeug mit sich bringt.

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